Runner #8: …und am Ende war es leider nur unglaublich geil…

Das Beste vorweg: Ich teile nicht das Schicksal von Pheidippides anno 490 v. Christus! Was für ein Happy End! 42195 m und ich habe es geschafft! Das Leben hält manchmal komische Prüfungen für einen bereit und das Wichtigste: Man(n) muss sie annehmen und sich darauf vorbereiten. Ich glaube genau das war es am Sonntag, den 26.10.2014 10:10 Uhr in Frankfurt / Main in der Startaufstellung… Die (Marathon-) Prüfung und die Frage: Siegt der Geist über den Körper.

Nun der Geist siegte, weil es ihm der Körper auch noch sooooo schwer gemacht hatte. Ich habe den Körper (und den Geist)  ja auch Monate lang darauf vorbereitet, auf diesen einen Tag…

Dabei war die Nacht davor alles anderes als ‚rund‘ (06:00 Uhr aufgestanden). Ich hatte sehr schlecht geschlafen und war mit Kreislaufproblemen und einem Gefühl der Unterzuckerung aufgewacht. Erstmal zwei Schoko-Karamel-Nuß-Riegel eingeworfen, ‚weil Mann ja sonst nicht Mann selbst ist, wenn Mann Hunger hat‘ und erstmal etwas nach Dr. Romanov ‚mobilisiert‘ und den Kreislauf angeworfen. Mobilisieren war ok – Kreislauf anwerfen ging aber irgendwie nur schleppend. Da war irgendwie kein Kraftstoff (Koffein) mehr im Tank… Also in ritueller Manier zum Frühstück (07:00 Uhr) geschleppt. Müsli mit Quark, Joghurt, Obstsalat und Honig eingebaut und… der Kreislauf stottert noch immer… Wo bleibt der Kaffee…??? Ahhh endlich…. Zwei Tassen und zwei Eier mit Speck später ging es dann wieder… Ich höre jetzt alle Marathonis und vor allem die Ernährungsfetischisten unter Ihnen aufschreien – Eier mit Speck  vor nem Marathon? Ich sage da nur: Über drei Stunden bis zum Start und wenn ich nicht mindestens 750 kcal zu mir nehme habe ich schon wieder Hunger bevor das Rennen losgeht und mir war einfach danach. Ok – zurück auf Zimmer und endlich Ruhe: Reisegruppen beim Frühstück sind anstrengend. Jetzt weiter in der Rituale-Liste bis zu dem Punkt ‚was ziehen wir an‘: Kurzer Blick aus dem Fenster: Plan A – Kurzarm mit Funktionsunterhemd und halb-lange Hose (wie immer halt). Runner #4 (Stephan) und #5 (Dietmar) haben kurz zum Wetter-Check geSIMSt… Also in Badelatschen kurz raus vor das Hotel und Plan A bestätigen…

Weiter mit den Ritualen: Startnummer, Chip, Uhr, Armband, Mütze, HR-Monitor alles am Mann. 08:30 Uhr – Noch ne Runde auf dem Bett gechillt… 09:00 Uhr Los ging es… Gepäckbeutel abgeben und noch kurz auf die Toilette. Dumm nur das vor dem Damenklo noch so ne lange Schlange war und die vierte Läuferin im Bunde noch anstehen musste. Die Elite war schon unterwegs da suchten wir noch den Startblock. Kaum angekommen setzte sich auch unser Block schon in Bewegung.

Irgendwie ein seltsames Gefühl und doch toll, die Startlinie zum Marathon zu überqueren. Der Plan war langsam (06:30 Min./km)  zu starten und dann schauen was passiert. Als ich das erste Mal die Alte Oper passierte war das schon ein toller Moment, auch die Häuserschluchten in Frankfurt haben was ganz besonderes. Überhaupt die Innenstadt: So viel Menschen und so viel Musik und Stimmung – einfach Wahnsinn… Nach rund 12 km fand ich dann meinen ‚Pacemaker‘ mit welcher ich dann bis km 23 lief (noch immer mit 06:30 Min./km – schneller wollte ich einfach nicht – hätte es aber in dem Moment gekonnt). Aber irgendwie kam sie nicht klar damit, dass ich neben ihr her lief und so setzte ich mich ab um wenig später eine neue ‚Laufpartnerin‘ zu finden. Diese hing sich zur Abwechslung mal an mich dran…

Krass: Als ich auf halber Strecke war, hatte das Rennen seinen Sieger(in) schon gefunden. Aber irgendwie war für mich die Zeit zu diesem Punkt nicht mehr wichtig. Wie geht es mir, wie ist die Pace, der Puls, wie weit sind wir und wann gibt was zu trinken…? Das war wichtiger…

Auch cool: In Schwanheim traf ich einen alten Kollegen am Straßenrand, irre… und überall Musik und Kuchen (der einem von den Zuschauern gereicht wurde)… Fantastisch…

Auf der Brücke von Schwanheim nach Höchst konnte ich auf dem Shirt eines anderen Läufers das hier lesen: „Wenn du laufen willst, dann lauf eine Meile. Willst du aber ein neues Leben, dann lauf Marathon. – Emil Zatopek“ – Für einen kurzen Moment hatte ich Gänsehaut…

Meine neue ‚Laufpartnerin‘ – ‚Steffi‘ und ich spulten gemeinsam die nächste Kilometer runter und wir feuerten uns gegenseitig an. Das war echt super und so sind wir sehr gleichmäßig (jetzt 06:35 Min./km) bis km 39 gelaufen. Da musste ich leider abreissen lassen, weil der linke Oberschenkel ‚zu‘ gemacht hatte und ich kurz gehen musste. Nach 200 m ging es wieder und als das iPhone AC/DC spielte ging es noch mal richtig vorwärts bis der rechte Oberschenkel seinen Dienst für einen Moment quittierte. Also nochmal 100 m gegangen und weiter… Am Schluss bin ich singend auf die Zielgerade eingebogen und jubelte schon beim Eingang in die Festhalle… Was für ein toller Augenblick. Wer friert mir diesen Moment ein…. Besser kann es nicht sein… Die Stimmung in der Halle und der Moment das Ziel zu erreichen… Wahnsinn! Ich hatte es geschafft.

Ich kann es zwei Tage hinterher noch gar nicht richtig realisieren, was ich geleistet habe bin aber schon wieder voller ‚Bewegungsdrang’… Auch bin ich davon überzeugt, dass das erst der Anfang war. Zu groß ist die Verlockung es in einer anderen Stadt an einem anderen Ort noch einmal zu tun. Ja, ich bin jetzt ‚angefixt‘ – aber das war zu erwarten.

Zum Schluss möchte ich meinen Kollegen und Freunde danken die mich zu dieser Sache ‚angestiftet‘ haben, mitgelaufen und auch alle angekommen sind, meinen Kollegen und Freunde die uns / mich an der Strecke angefeuert haben, meine Familie und meine Schwester für die tolle Unterstützung und ‚Steffi‘ für das gemeinsame ‚Pushen‘ auf der zweiten Rennhälfte (schade, dass wir uns im Ziel nicht mehr gesehen haben).

Was wohl als nächstes kommt? 🙂

Stay tuned…

 

 

About Markus (aka Runner #8)

Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone... ...also so ab km 35 :-)

Check Also

Runner #8: Das Laufen, das Leben und der ganze Rest: 2016 ein Rückblick…

Nun ich sage es gleich: Ganz objektiv betrachtet war 2016 mein bis dato bestes Laufjahr. …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.