24 Stunden wandern – total unterschätzt…

 Vor ungefähr einem Jahr hat mich ein Freund angesprochen, ob ich mal Lust hätte an einer 24 Stunden Wanderung teilzunehmen. Er schwärmte so davon, dass ich mir dachte – warum eigentlich nicht – 24 Stunden durch den Wald laufen wird bestimmt lustig und als alter Läufer kann ich mich ja auf den Spaß-Faktor konzentrieren.

Letzten Freitag war es dann soweit – zusammen mit 150 weiteren Teilnehmern standen wir am Start – 24 Stunden – 75 Kilometer – 2.800 Höhenmeter lagen vor uns. Richtig vorbereitet hatte ich mich nicht, da ich das ganze relativ locker sah – immerhin will ich in 5 Wochen den Frankfurt Marathon laufen. Also mal alles in den Rucksack gepackt, was man vielleicht mal brauchen kann und los gelaufen. Wir waren eine Gruppe von 6 Leuten, so dass es auch beim Laufen niemals langweilig wurde.

Die ersten 12 Kilometer waren schon mal eine Ansage – zügiger Lauf – mit Marschgepäck – fast nur Berg auf. Um 20:30 war es im Wald bereits dunkel, daher setzten alle ihre Stirnlampen auf. War schon lustig, als man dann eine lange schlange an Lichtern durch den Wald laufen sah und die Stimmung war gut. Nach drei Stunden kamen wir dann an der ersten Rast an. Es gab Brot und Landjäger, sowie jede Menge Wasser und Mineralpulver. Nach 30 Minuten ging es auch schon weiter. Obwohl man im Wald nicht viel sah, war das Laufen im Dunkeln wirklich super. Man fand sofort Anschluss bei einem der anderen Teilnehmer, oder konnte auch ganz alleine für sich laufen. Vorne und hinten waren jeweils die Guides platziert, die darauf achteten, dass wir alle einigermaßen zusammen blieben und keiner unterwegs verloren wurde.

Nach weiteren 3 Stunden kamen wir dann in einer Sporthalle an, wo es Nudeln mit Gulasch gab. Hier wurden schon die ersten Blessuren verarztet. Ich hatte inzwischen auch schon eine Blase am Fuß, aber zum Glück ja Compeed dabei. Nach 45 Minuten ging es weiter, wobei die Gruppe sich schon um ca. 5 Personen reduziert hatte. Die ließen sich mit dem Auto zurück an den Start fahren.

Die nächsten 3 Stunden hatten es wirklich in sich. Hoch – Runter – Hoch – Runter – ziemliche Steigungen und alle in extrem zügigen Tempo. Spätestens hier fing ich an meinen Rucksack zu verfluchen. Die ca. 5 Kilo drückten inzwischen stark auf meine Schultern und die ersten Schmerzen machten sich bemerkbar – sowohl an den Schultern, als auch an den Waden und natürlich an den gefühlten 20 Blasen an den Füßen. Daher war ich extrem froh, als wir die nächste Rast machten. Wieder gab es Wasser uns als besonderen Shot Red Bull. In den Gesichtern der anderen konnte man erkennen, dass ich nicht der einzige war, der zu kämpfen hatte. Allerdings gab es auch Spaßvögel, die anfingen zu tanzen, während ich auf dem Boden saß und mir einige Energiegels zuführte. Auch an diesem Rastplatz verließen uns wieder einige Wanderer. Es müssen so um die 10 gewesen sein, da die Leute vom roten Kreuz meinten, sie müssten mindestens zweimal fahren.

Also ging es weiter und ab hier wurde es wirklich anstrengend. Die Schmerzen wurden immer härter – es wurde deutlich weniger geredet und die Strecke wurde leider nicht flacher. So liefen wir in den Sonnenaufgang, was ein super Moment war und dem morgendlichen Wald eine fast magische Aura verlieh. Inzwischen hatte einer aus meinem Team extreme Probleme mit dem Knie – er wollte auf jeden Fall noch bis zum Frühstück durchhalten und dann entscheiden, ob er aussteigt.

Gegen 06:45 (nach über 12 Stunden) kamen wir dann an der Frühstückstation an. Rucksack ab, Schuhe aus und zur Kaffee-Ausgabe humpeln. Danach machte ich meine Ration an Compeed Pflastern leer und pflegte meine inzwischen 5 Blasen an den Füssen. Mein Kollege erklärte kurz danach, dass es keinen Sinn mehr macht und er aussteigt. Als echter Freund, konnte ich ihn natürlich nicht alleine lassen in dieser schweren Zeit und erklärte mich selbstlos bereit ihn zu begleiten :-;.

Damit hatte der 24 Stunden lauf nach ca. 12 Stunden, 45 Kilometern und ca. 1.800 Höhenmetern ein Ende für mich. Heute – ein Tag danach hab ich Problemen mit den Waden, wie noch nie nach dem Laufen. Daher kann ich sagen – jeder der etwas herablassend über Wanderer redet – dieser Lauf hat es in sich.

Fazit: Eine interessante Erfahrung – eine super Organisation – eine sehr gute Stimmung und……….. Nächstes Jahr mache ich wieder mit,  werde mich dann aber etwas besser vorbereiten und definitiv  darauf achten, dass der Rucksack deutlich unter 5 Kilo bleibt. Wer Interesse hat ggf. auch mal mitzumachen – hier ist der Link -> www.pro-line-sports.de.

So – und jetzt lasse ich den Longrun von 18km nach Running.Coach Trainingsplan heute ausfallen und mache extrem Regeneration.

About Runner#5

Ich laufe seit 2012 und versuche das ganze mit dem nötigen Ernst, aber immer mit Spass zu betreiben.

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Ein Kommentar

  1. Der Schmerz geht, der Stolz bleibt… 🙂 Respekt vor der Aktion!
    Wie hast Du die Wanderung aufgezeichnet? Mit welcher Uhr?

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