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Amsterdam Marathon … Autsch, I did it again

Nachdem Dietmar in seinem gestrigen Beitrag bereits geschrieben hat, wie wir gemeinsam uns über die ersten 27 km des Marathons gebracht haben, hier noch ein paar Zeilen von mir zu meinem Marathon-Erlebnis:

Meine Vorbereitung auf den Marathon und mein Lauftraining in 2016 war alles andere als optimal. In Summe bin ich in 2016 bis zum Marathon 290 km gelaufen – und das ohne Trainingsplan, nicht regelmäßig und eigentlich bis auf eine Ausnahme auf Kurzstrecken bis 10k.

Meine Anmeldung war wie meine ganze Vorbereitung: chaotisch und planlos. Nachdem ich lange mit mir gerungen habe, ob ich in Amsterdam mitlaufen soll, haben meine Mitstreiter Dietmar & Markus mich letztendlich davon überzeugt, mitzumachen. Die Punkte, die mich zweifeln ließen: Zum Einen, von Niederbayern aus sind es nach Amsterdam doch über 800k. Ich hätte das dann gerne mit ein paar Tagen Urlaub verbunden, leider hat meine bessere Hälfte aber keinen Urlaub bekommen … und zum Anderen natürlich auch meine mangelhafte Vorbereitung.

Auch in Amsterdam die passende Ernährung zu meiner Vorbereitung ...
Auch in Amsterdam die passende Ernährung zu meiner Vorbereitung …

Nachdem ich Dietmar und Markus für Amsterdam zugesagt hatte, ging es an die Anmeldungen. Ich hatte wohl wissend ja nur für Amsterdam zugesagt – nicht für eine bestimmte Distanz ;). Leider wurde mir hier auch wieder meine Unentschlossenheit zum Verhängnis: Als ich mich Anfang August für den „It is not a race“-Halbmarathon anmelden wollte, war dieser schon geschlossen. Nachdem ich dann wieder zwei Wochen rum getrödelt habe wollte ich mich für die 8km anmelden – ausgebucht. Da ich beim Kids Run weit aus der Altersklasse raus bin blieb mir also nur noch der Marathon übrig – na prima: „Disaster waiting to happen“ war mein erster Gedanke …

Ich habe mir als Minimalziel für den Marathon gesteckt, dass ich nicht vom Besenwagen eingesammelt werden will. Meine angedachte Strategie war, bis zum km 30 mit dem Pacing Team für 5:00h mitzuhalten … und dann schauen, was noch geht. Das bisschen Vorbereitungszeit, dass ich im September und Oktober noch hatte, wurde daraufhin ausgerichtet … naja, nicht wirklich.

Mein Marathon war dann irgendwie gar nicht meiner. Nachdem ich die Startnummer von einem Kollegen übernommen hatte, stand auf meiner Startnummer ein anderer Name – ich war also inkognito unterwegs. Dietmar und ich hatten im Vorfeld schon abgesprochen, dass wir eine ähnliche Strategie verfolgen – und deswegen auch gemeinsam auf die Strecke starten (wie vor 2 Jahren in Frankfurt, unserem 1. Marathon).  Im Gegensatz zu Frankfurt haben wir uns aber nicht von der Euphorie anstecken lassen, sondern haben uns gegenseitig gebremst und immer wieder an unser geplantes Vorgehen erinnert. Bei mir hat sich das Adrenalin aber anders bemerkbar gemacht: Ich war schon nach ungefähr 15 Minuten im roten Bereich, fand einfach keinen Rhythmus und meine Beine waren auch ziemlich schwer. Dies hat sich dann so bis ungefähr km 8 hingezogen, und nachdem wir dann nicht mehr nur überholt wurden und die ersten „Erschöpften“ am Straßenrand sahen, hat sich das bei mir auch gegeben und meine Gedanken drehten sich nicht mehr nur um „Was mache ich hier???“  … zumindest bis ungefähr km 19. Bei km 19 konnten man auf der Gegenseite der Amstel das Tor mit der Aufschrift 21,1km sehen – und mir schoss in den Kopf: Verdammt, noch nicht einmal Halbzeit … und als wir das Tor passierten war mir klar: Für mich geht der Marathon jetzt erst (oder schon) los, da ab hier für mich alles nur noch Willenskraft war …

Leider war es dann 5 km später mit dem Laufen vorbei – der Geist war willig, doch das Fleisch wollte nicht mehr: Die Beine waren schwer und ich musste Dietmar ziehen lassen. Logische Konsequenz: Meine Pace brach ein und ich stellte mir nun die Frage, wie ich es doch noch irgendwie über die Distanz schaffe. Als mich bei Kilometer 28 dann das 5:00h Pacing Team einholte konnte ich mich noch einmal kurz aufrappeln, da ich mich immer noch im Rahmen meiner Strategie sah: Bis km 30 mit der Gruppe mitlaufen!!! Bei km 30 habe ich die Gruppe dann auch ziehen lassen. Von da war mein Leitsatz: Nicht stehen bleiben, immer in Bewegung bleiben – keine Chance für Krämpfe oder Schmerzen!!

Die nächsten 2 km waren ein innerlicher Kampf: Was mache ich hier? Wieso habe ich mich überreden lassen? Ich könnte ja Aufgeben – aber wie komme ich zurück ins Stadium? Bei km 32 fiel mir dann ein, dass ich ja noch meine Kopfhörer dabei hatte, also: Spotify Running, 140 Steps per Minute, „Augen zu und durch“-mit zügigen Walking. Das „Augen-zu-und-durch“ Prinzip hat so gut funktioniert, dass ich erst so ab km 39, als es durch den Vondelpark ging, mich wieder klar an den Marathon erinnern kann – die km zwischen 32 und 39  sind nur schemenhaft. Das liegt vielleicht auch daran, dass Spotify keine neuen Lieder runter geladen hat und ich gefühlt 50 Mal „17 Jahr blondes Haar“ und „Ich war noch niemals in New York“ mir anhören musste.

Die letzten km habe ich dann teils laufend, teils im Walking-Schritt ins Ziel gebracht und ich habe es mit einer 5:21:24 h – wider Erwarten – doch geschafft. Mit dem Zieleinlauf kamen dann zwar nicht die Krämpfe, aber die Schmerzen, die aber nach 3 Tagen auch wieder vergessen waren.2016-10-16-15-32-03

Im Nachhinein noch ein paar abschließende Worte von mir:

  • Marathon mit 290k Trainingsleistung kann man machen – ist aber nicht empfehlenswert. Da ich 2014 in Frankfurt unter ähnlichen Bedingungen gelaufen bin konnte ich sehr gut einschätzen, was auf mich zukommt.
  • 800 km fahren, um danach ein paar Tage Schmerzen zu haben – Nein Danke, werde ich nicht mehr machen.
  • 2017 gerne wieder einen Hindernislauf und ein paar Halb-Marathons. Marathon muss nicht sein, da der Vorbereitungsaufwand für mich in keinem Verhältnis zum „Erlebnis“ steht. Ich weiß zwar, dass ich selbst mit halbherziger Vorbereitung mich durchbeißen kann – aber wenn ich mich noch einmal an die Volldistanz ran wage muss auch die Vorbereitung stimmen.

Und abschließend Danke an Dietmar: Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich irgendwann in der ersten Hälfte des Marathons schon hin geschmissen und er hat mich immerhin 1 Woche vor dem großen Tag noch drauf hingewiesen, dass ich mir auch noch einen Ernährungsstrategie über die 42,2k bereit legen sollte … aber wie schon einleitend gesagt: Meine Vorbereitung war alles andere als optimal …

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3 Kommentare

  1. Profilbild von Dietmar

    Stephan das wird schon. Nächstes Jahr laufen wir Mainz. Weniger Stress und die Möglichkeit nach 21km auszusteigen.

  2. Wow, das fällt dann wohl wirklich in die Kategorie lieber nicht nachmachen… Marathon finde ich aber auch mit guter Vorbereitung ein dickes Ding. Wann ich meinen nächsten Laufe werde, steht noch in den Sternen. Aber von Amsterdam habe ich einen ganz netten Eindruck erhalten, als ich kürzlich dort war. Vielleicht wäre das mal etwas.

  3. Profilbild von Dietmar

    Als Stadt auf jeden Fall empfehlenswert.

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