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Runner #8: Two Oceans Marathon 2016 Nachlese oder…

…“jetzt stell‘ Dich halt nicht an wie ein Mädchen“ gab mir meine Schwester noch auf den Weg, bevor sie in der Startaufstellung des Two Oceans Marathon im nächtlichen Kapstadt verschwand. Das ist ihre Art mir viel Glück zu wünschen. Hat es was gebracht? Ja, hat es! Nach über 6 Stunden und 56 Kilometern habe ich am Ostersamstag das Ziel erreicht. Bin ich zufrieden? Mehr als das! Bin ich überwältigt? Das trifft es schon besser. Ich kann es noch immer nicht in Worte fassen und bin unendlich dankbar über das was ich in der letzten Woche erleben durfte. Mein Grinsen reicht immer noch von Ohr zu Ohr und meine Gedanken an den Lauf erzeugen immer noch Gänsehaut.

Ich kann es gar nicht glauben, dass ich tatsächlich einen Ultra-Marathon gelaufen bin und das in wahrscheinlich einer der attraktivsten Städte der Erde…

Wenn mir das jemand 2012 prophezeit hätte…

Das Two Oceans Marathon Kapstadt 2016 – 56km Ultra-Marathon

Orga:

Wir haben die Reise über Ali Schneider Marathonreisen gebucht und sage es vorweg: Es war die richtige Entscheidung und ich kann Ali Schneider uneingeschränkt empfehlen (hierzu wird es noch einen gesonderten Bericht geben 🙂 ).

Also zur Orga: Nach dem sich der Großteil der Reisegruppe am Flughafen Kapstadt gefunden hatte ging es per Bus zuerst zum Geldwechsel und dann direkt zur Expo die im Cape Town International Convention Center untergebracht war. Es war der erste Tag der Expo und es war noch sehr ruhig.

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Im wesentlichen gab es zwei Eingänge: Einen für den Ultra- und einen für den Halbmarathon. Wenn man seine Startnummer nicht zur Hand hatte, wurde einem diese hier ermittelt und freundlich der Weg zur Startnummernausgabe gewiesen. Internationale Starter hatten einen eigenen Ausgabebereich. Die Ausgabe der Beutel nebst T-Shirt und Chip ging reibungslos. Der (Schuh-) Chip wurde bei Ausgabe ‚initialisiert‘ und mit der Startnummer ‚verknüpft‘. Beim Verlassen des Ausgabebereichs wurde noch einmal Name und Chip gescannt um die Verknüpfung nochmals zu verifizieren.

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Der Startnummernausgabe folge die eigentliche Lauf-Expo. Nichts was man anderswo nicht auch schon gesehen hat… Halt stopp nicht ganz… Es gab einen Stand mit Avocado-Öl (deutscher Auswanderer produziert Avocado-Öl in Südafrika) und einen Stand von Inov-8 was man nicht alle Tage sieht. Klar, dass ich bei beiden Ständen ‚fündig‘ wurde und dank des günstigen Euro-Rand-Wechselkurses mir das ein oder andere Schnäppchen gegönnt habe (Mein Inov-8 Laufschuhsammlung ist weiter angewachsen 😉 ).

Von der Expo ging es direkt auf den Tafelberg, da wir ohnehin in der Nähe waren und das Wetter großartig war – ehe es am späten Nachmittag ins Hotel ging.

Noch etwas zum Thema Starterbeutel/Unterlagen: Der Beutel war reichlich gefüllt und in den Unterlagen fand man zwei Startnummern (für hinten und vorne). Die Startnummern der internationalen Starter war orange. Somit konnte mal diese schon von weitem erkennen. Es waren rund 100 Nationen mit rund 2500 internat. Startern vertreten. Deutschland hatte das größte Ultra-Starterfeld (188) und das zweitgrößte (348; nach UK: 393) insgesamt.

Was übrigens auffiel: Das Thema ‚Starterbeutelabgabe‘ vor dem Rennen, gab‘ es meines Wissens nicht… Aber das hat nicht gestört, da die Temperaturen angenehm warm waren. Duschmöglichkeiten waren in der Universität vorhanden wurden aber von unserer Gruppe meines Wissen nach auch nicht in Anspruch genommen. Sehr interessant: Viele Südafrikaner (wir auch Iren) sind in ‚Athletic Clubs‘ organisiert. Die großen Clubs haben nach dem Zieleinlauf ‚Hospitalis Tents‘ – wo es noch einmal gesonderte Verpflegung gab. Die internationalen Teilnehmer hatten ebenfalls ein eigenes Zelt. Sehr angenehm!

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Start:

Gestartet wurde in zwei Wellen: Der Halbmarathon ging um 5:50 Uhr (!) und er Ultra um 6:30 Uhr auf die Strecke. Der Bus holte uns schon um 4:30 Uhr am Hotel ab. Am Morgen des Laufs begann es zu regnen und somit war der Gang vom Bus zum Start eine eher ‚frische‘ Angelegenheit. Im Startblock (Stand auf der Startnummer) angekommen konnte man ich dann aufgrund der Menschenmengen aufwärmen. Der Regen stoppte als wir den Startblock erreichten.

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Mein Eindruck: Die Südafrikaner an sich sind – egal welcher estnischen Gruppierung angehörig – ein aufgeschlossenes und interessiertes Volk. So kam man schnell ins Gespräch und die Zeit im Startblock (ca. 45 Min.) vergingen wie im Flug. Kurz vor dem Start des Ultras kam dann der vielleicht emotionalste Moment des Rennens (nein, nicht meine persönliche Zielankunft). Es wurde zuerst eine Schweigeminute für den verstorbenen Ultra-Läufer Chet Sainsbury eingelegt, welcher den Two Ocean Marathon als Läufer und als Organisator über 30 Jahre mitprägte. Der Schweigeminute folgte ‚Shosholoza‘, das Arbeiterlied der Ndebele-Bergarbeiter: Ein Großteil der Starter sang mit und mir stellten sich zum ersten Mal die Nackenhaare. Danach folgte die Nationalhymne Südafrikas – die in vier Sprachen gesungen wird – und das Starterfeld sang wieder mit. Uaaah! Gänsehaut Teil 2!

Nachdem sich alle wieder gesammelt hatten, ging es pünktlich um 06:30 Uhr mit einem Schuss aus der Kanone auf die Strecke. Übrigens: Beim Two-Oceans-Race gilt nicht Brutto-/Netto-Zeit sondern das ‚Gun-to-Mat‘ Prinzip. Was bedeutet: Die Kanone schießt und die Zeit läuft – für alle!!!

Ich stand in Startblock ‚E‘ und brauchte 5:31 Min. ehe ich die Startmatte für die Chip-Zeitnahme erreichte. Die wiederum, war beim Start des Halb-Marathons platziert. Ich bin also keine 56 km sondern tatsächlich 56,5 km gezeitet gelaufen. Das macht meine Zeit nicht besser, aber für Protokoll erklärt…

Der Start selber ging so etwas von entspannt über die Bühne, klasse!

Mein Lauf / Stimmung entlang der Strecke:

Das Feld sortierte sich ziemlich schnell und mit meinem geplanten ‚Hauptsache unter 7:00 h ankommen‘ – Vespertempo lag ich voll im Trend. Die Strecke führte zunächst in gerader Linie aus der Stadt hinaus in Richtung Muizenberg an der False Bay (‚indischer‘ Ozean – also nicht wirklich aber gedacht). Dieser Teil der Strecke war eher langweilig eher man den ersten Küstenabschnitt bei aufgehende Sonne erreichte. Zu mir gesellte sich ein älterer Südafrikaner mit dem ich eine Zeit lang lief. Allerdings war mir ‚Michael‘ ein wenig zu schnell und ich gesellte mich als nächste zu dessen Bekannten die mir unentwegt einredeten ich müsse am besten gleich bis Ende Mai da bleiben um dann gleich noch den ‚Comrades‚ zu laufen. Ja, ne – is klar! 😉 Die drei sind mir dann später noch ein paar Mal begegnet. So bei etwa km 15 – 17 lief eine Lauf-Gruppe aus Johannesburg auf mich auf. Mit einem lauten ‚Good Morning Markus!‘ wurde ich aus meinem Trott gerissen. Aber woher wußte der… Ich vergaß: Startnummer nebst Name auf dem Rücken und dann auch noch Ausländer… Der ‚Alpha-Läufer‘ der Gruppe ‚John D.‘ war ein überaus kommunikativer Mensch und ich könnte wetten, dass John D. bis km 28 praktisch alle Zuschauer begrüßt hat. Einer seiner Mitläufer erzählte mir, dass das John Ds Art sei und das es ihm die nötige Energie für die Distanz gibt. Sehr unterhaltsam!

Die Strecke machte nun einen Knick und führte durch Fish Hoek (siehe Foto mit der Karte) zum Anfang des Chapman’s Peak Drives (etwa km 28 – also auf halber Strecke), einer der markantesten und schönsten Stellen der Strecke. Vor hier aus ging es nun etwa sechs Kilometer bergauf! Übrigens: Die Verpflegung war sehr gut organisiert und statt der üblichen Wasserbecher gab es meist (neben Cola) kleine in Beutel gepackten Wasserportionen, die man problemlos tragen, öffnen und daraus trinken konnte. Ich habe das ganze immer mit einem Gel (alle Stunde) kombiniert und bin problemlos durchs Rennen gekommen.

Also – der Anstieg zum Chapman’s Peak. Ich bin – und ich gebe es offen zu – nicht die ganze Zeit gelaufen. Ich bin eher immer 30 Sek. gelaufen, 30 Sek. stramm gegangen. Das hat sich als probate Taktik erwiesen und dank meiner Mitläuferin Katrina (aus Deutschland nach Südafrika ausgewandert) zu diesem Zeitpunkt auch kein Problem.

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Oben angekommen begrüßte uns eine für Südafrika wohl typischen ‚Kapelle‘ und ein – am Lauftag eher trüber Blick – auf die Hout Bay.

Bergab verabschiedete sich Katrina plötzlich mit den Worten: „Ich mach‘ jetzt mal eine Zigarettenpause“ – What? Ja, richtig gelesen. Sie hatte bis zu dem Zeitpunkt schon zwei geraucht… Ohne Worte…

Die Strecke schlängelte sich nun bergab (Gott sei Dank) nach und durch Hout Bay (siehe Karte) und bei nun sonnigem Wetter und bester Stimmung (entlang der Strecke) erreichte ich die Marathon-Marke und – siehe da – John D. der nun nicht mehr alle Leute grüßte (komisch 😉 ). Nun kam der wirklich harte Teil der Strecke. Hart deshalb, weil es nun nochmals rund vier Kilometer hoch zum Constantia Nek ging und ich schon weiter gelaufen war als jemals zuvor. Anfangs habe ich versucht noch einmal mit 30 / 30 den Berg zu erklimmen aber die Passagen waren teilweise deutlich steiler als zuvor beim Chapman’s Peak und ich hatte zu dem Zeitpunkt ein kleines Tief. So ging ich also mit Klaus aus Deutschland (den ich nun aufgegabelt hatte) zwei der vier Kilometer strammen Schrittes hoch.

Der ‚Gipfel‘ wurde bei ca. km 46 erreicht und ich dachte – das war es, jetzt nur noch Berg runter… Von wegen…

Die folgenden Kilometer waren mit die härtesten: Schon rund 50 km in den Beinen, Gegenwind und ständig bergauf bergab…

Auf den letzten Kilometern habe ich noch einen Deutschen getroffen, der in einer Lederhose unterwegs war und blutüberströmt daherkam. Ich denke, er muss wohl über ein ‚Katzenauge‘ in der Straßenmitte gestolpert sein, vor denen mich viele im Vorfeld gewarnt hatten. Armer Kerl.

Die Strecke führte nun in Richtung Cape Town University auf deren Sportfeld der Zieleinlauf war. Am Ende hatte ich noch Luft für einen keinen ‚Sprint‘ habe aber dann abgebrochen um die Zielgerade und die Stimmung besser genießen zu können.

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Ich kam noch bequem vor der Cut-Off-Marke ins Ziel und war einfach nur noch überglücklich.

Preis-Leistung:

Ich hatte das ganze ja über Ali Schneider Marathonreisen gebucht und die Entry- Fee lag bei 100 Euro, was natürlich bei den Gesamtkosten der Reise eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch finde ich, sind 100 Euro angemessen. Die Organisation des Rennens war tadellos, die Versorgung sehr gut und die Betreuung an der Strecke (Erste Hilfe) ebenfalls gut organisiert. Das es keine Beutelabgabe gab – spielte keine Rolle. Das tolle T-Shirt und die Medaille runden das hervorragende Bild ab.

Fazit:

Aber mal ehrlich: Was ist schon Geld, was sind schon Medaillen oder T-Shirts gegen das was ich hier erleben durfte?

Ich habe gelernt, dass ich weiter laufen kann als ich jemals zuvor gedacht habe. Ich hatte das Privileg an einem der wohl schönsten Marathons auf Erden teilzunehmen und ich habe kleine Stücke eines Landes, eines Volkes und einer bunten Kultur kennenlernen dürfen, welches auf der einen Seite, eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte hinter sich gelassen hat, in welchem es noch viel zu tun und zu überwinden gibt, dass aber mit großer Hoffnung und Zuversicht nach vorne blickt.

Südafrika! I’ll be back!

 

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..."jetzt stell' Dich halt nicht an wie ein Mädchen" gab mir meine Schwester noch auf den Weg, bevor sie in der Startaufstellung des Two Oceans Marathon im nächtlichen Kapstadt verschwand. Das ist ihre Art mir viel Glück zu wünschen. Hat es was gebracht? Ja, hat es! Nach über 6 Stunden und 56 Kilometern habe ich am Ostersamstag das Ziel erreicht. Bin ich zufrieden? Mehr als das! Bin ich überwältigt? Das trifft es schon besser. Ich kann es noch immer nicht in Worte fassen und bin unendlich dankbar über das was ich in der letzten Woche erleben durfte. Mein Grinsen reicht immer noch…

Summary

Orga - 9.5
Start - 9.5
Strecke - 9.5
Stimmung - 8.5
Preis-Leistung - 9.5

9.3

Einfach nur spitze!

Ich bin bewegt, dessen was ich erlebt habe... Sportlich, kulturell und emotional...

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About Markus (aka Runner #8)

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Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone... ...also so ab km 35 :-)

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