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Der Laufschuh von heute, oder warum brauche ich ‘Full-LengthSuperBioMoGoDNAGuiderailsHYD…’?

Frage: Was haben Abebe Bikila (R.I.P.) und Full-LengthDNASuperBioMoGoDNAGuiderailsHYDROFLOWPDRBPIVOTDRB ACCELBALLISTIC ROCK SHIELDS-257 CUSHSOLEBIOS-257E-FUSIONTDMFluidRideDYNAMIC-DUOMAXGUIDANCE-LINEPro-Lock TechnologieVS1SR TOUCHPEBAX RNEWINTERCOOLAIRMESHX10AP+U4IC gemeinsam?

Viele von den lustigen Abkürzungen gab es zu Zeiten von Abebe Bikila nicht. Sie wurden aber von der Industrie sehr schnell nach dessen Erfolge entwickelt.

Full-LengthDNASuperBioMoGoDNAGuiderailsHYDROFLOWPDRBPIVOTDRB ACCELBALLISTIC ROCK SHIELDS-257 CUSHSOLEBIOS-257E-FUSIONTDMFluidRideDYNAMIC-DUOMAXGUIDANCE-LINEPro-Lock TechnologieVS1SR TOUCHPEBAX RNEWINTERCOOLAIRMESHX10AP+U4IC haben allerdings etwas gemeinsam: Es sind alles ‘Technologien’ die in heutigen Laufschuhen ‘verbaut’ sind.

Nein, ich erkläre jetzt nicht was was ist, das ist mir viel zu anstrengend. Stellen wir lieber mal die Frage, wozu brauchen wir das alles?

Ich denke das liegt schlichtweg daran, daß der Mensch das was er am besten kann, laufen, irgendwie verändert hat. Oder das sich der Mensch verändert hat und mehr von diesem Zeug braucht um seine (teils) krummen Knochen einigermaßen schmerzfrei über längere Distanzen zu bewegen. Klar haben wir und der Untergrund auf dem wir laufen sich verändert, klar jagen wir heute nicht mehr unserer Beute nach bis diese vor Erschöpfung tot umfällt  (siehe GEO 05/2014).  Aber sind wir schon so degeneriert, dass wir die ganze Palette der biomechanischen Hilfsmittel notwendig haben? Ich weiß was der geneigte Leser jetzt vermutet: es kommt jetzt ‘Ein Hoch auf das Barfuß-Laufen’. Ich muss euch enttäuschen, so hoch wird’s nicht. Erst neulich habe ich gelesen, dass das Gehen über die Ferse die ökonomischere Variante im Vergleich zum Vorfuß-Gehen ist. Unbestritten! Aber eben nur beim Gehen. Beim Sprint sieht die Sache anders aus, oder habt ihr Usain Bolt schon mal über die Ferse 100 m sprinten gesehen. Und beim Laufen? Da sieht das ganze ambivalent aus und genau dass beschäftigt mich. Auf der einen Seite bietet uns die Industrie soviel Zeugs an und der Orthopädiemeister um die Ecke gießt euch liebend gerne ein paar Einlagen um eure Überpronation in den Griff zu bekommen. Auf der anderen Seite die Vertreter der Vor-/Mittelfuß-Lauftechnik die uns erzählen das wir das ganze Zeug nicht brauchen, wenn wir nur die Technik richtig beherrschen. So was soll man nun glauben?

Auch ein Blick in die Weltspitze der Langstrecken- und Marathonläufer(-innen) zeigt kein einheitliches Bild und gibt keine Orientierung. Läufer wie Moses Mosop gehört eher zur Fraktion der Vorfuß-Läufer (wobei er die Ferse absetzt). Kenenisa Bekele z.b. läuft eher Mittelfuss ebenso Tirunesh Dibaba (wobei Dibaba schon auch auf dem Mittelfuss aufkommt). Wohingegen Leute wie Mo Farah eher über die Ferse laufen. Also was nun? Hilft uns das bei der Bewertung ob wir Full-LengthDNASuperBioMoGoDNAGuiderailsHYDROFLOWPDRBPIVOTDRB ACCELBALLISTIC ROCK SHIELDS-257 CUSHSOLEBIOS-257E-FUSIONTDMFluidRideDYNAMIC-DUOMAXGUIDANCE-LINEPro-Lock TechnologieVS1SR TOUCHPEBAX RNEWINTERCOOLAIRMESHX10AP+U4IC (und bitte in der Reihenfolge) brauchen? Hmmm…

Nächster Versuch: Verletzungsanfälligkeit! Immer wenn ich mich im laufenden Freundeskreis umhöre heisst es: Ich habe Probleme mit dem Knie oder Schienbein oder die Ferse schmerzt (zur Fersenschmerzfraktion gehörte ich bis vor einem Jahr auch an) und, und, und… Das sind alles Freizeitläufer mit (teilweise) Halb-Marathonerfahrung und durchschnittlichem oder geringem Trainingspensum und eben den ‘Technologien’ im Schuh.

Die Mittelfuß-Techniker die ich kenne sind eher auf dem ‘Natural-Running’ Schuh Pfad beheimatet und klagen auch eher weniger über Zipperlein. Wobei die lustigen Akronym-Technologien (‘Full-LengthSuperBIOMOGODNA’ <- das ist mein persönlicher Favorit) hier teilweise zum Einsatz kommen.

Bei reinen Vorfuß-Läufern hört man allerdings immer wieder, dass die Achillessehne schmerzt. Vertreter der Vorfuß-Technik mit absenken der Ferse (wie z.B. POSE Methode of Running)  klagen (nehmen wir mich mal als Beispiel) eher weniger.

Die Vertreter der Vorfuß-Zunft haben aber in der Regel einfache, leichte Schuhe mit geringer oder keine Sprengung (Höhendifferenz zwischen Ferse und Fußballen) an. Also geht es doch ohne die ‘Technologien’?

Sind wir jetzt weiter als vorher? Immer noch nicht?

Eine weitere Überlegung: Gewicht des Laufschuhs und die Effekte der ‘Technologien’ auf die Muskeln und Gelenke.

Thema Gewicht: Die populären Schuhe auf dem Markt wie. z.B. der ASICS Gel Kayano (315 Gramm) oder der Brooks Ghost (320 Gramm) oder der Adidas Supernova Gilde (318 Gramm (Größe UK 8,5)) spielen alle in einer ähnlichen Liga. Ein Minimal- oder Barfußschuh (letzterer ist ein Widerspruch in sich selbst) wie der Inov-8 Road-X Lite 155 (155 Gramm) oder der Saucony Type A6 (147 Gramm) hingegen sind praktisch um die Hälfte leichter. Nehmen wir also mal an, wir haben einen Hobbyläufer ohne Übergewicht (sonst kommt jetzt gleich das Gewichtsargument) und wir betrachten nur mal die Schuhe, die er aufgrund des Laufstils bevorzugt so haben wir also pro Schritt ca. 150 Gramm mehr Masse die bewegt werden muss. Aber was sind schon 150 Gramm? Na ja bei einer Schrittlänge von sagen wir mal 0,9 Meter macht das auf die Halb-Marathon Distanz etwa 23500 Schritte. Mit 0,15 kg multipliziert sind das läppische 3525 kg die man zusätzlich bewegen muss. 3,5 Tonnen!!! Die Physiker unter euch dürfen jetzt noch die verrichtete Arbeit (vertikale Bewegung = 0,1 Meter) und die Leistung (bei 2 Stunden Laufdauer) ausrechnen. Ich schenke es mir… Aber mal ehrlich: Das kann es doch nicht sein…

Thema Effekte der Technologien: Das Problem mit Technologien, speziell mit denen die dem Fuß zusätzlich Halt geben sollen ist, dass sie die bestimmte Teile der Muskulatur ausruhen lassen. Was das bedeutet ist denke ich klar: Degeneration! Wenn der Läufer unter, Senk- und Spreizfüßen kombiniert mit leicht Überpronation und einer Fehlstellung des Großzehs leidet, wird sehr gerne zum ‘Allheilmittel’ Einlagen gegriffen. Die Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf.

Habt ihr schon mal einen Läufer mit Minimal-Schuhen und Einlagen gesehen? Braucht ihr beim Barfuß-Laufen welche?

Solltet ihr bis hierher durchgehalten haben – Hier kommt die ‘Message’:

An alle (Hobby-) Läufer egal mit welcher Ambition: Macht euch, auch und vor allem als Laufeinsteiger, ausreichend Gedanken über Lauftechnik sowie Laufstil und stellt in Frage, ob ihr das ganze Arsenal der unterstützenden ‘Technologien’ wirklich braucht wenn ihr die richtige Lauftechnik habt! Ich bin der Meinung – eine gute Technik und vor allem das Training dieser – sollte euch vor Verletzungen verschonen und euch nachhaltig Spaß am Laufen bringen. Glaubt mir, ihr werde es brauchen und nicht bereuen. Ich bin den Weg schon gegangen und habe die für mich richtige Technik gefunden (jetzt ohne Verletzungen, Schmerzen oder Einlagen).

….und Abebe Bikila?

Der gewann 1960 den Marathon bei den olympischen Spielen barfuß!

 

Stay tuned…

About Markus (aka Runner #8)

Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone… …also so ab km 35 :-)

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2 Kommentare

  1. Wobei Abebe natürlich auch nicht aus dem inzwischen läuferisch ziemlich degenerierten Europa kommt. Ich finde das mit dem ganzen Thema übertrieben wird. Medizinisch kann mal alle Studien belegen und genauso gut auch wieder das Gegenteil beweisen.
    Analysen sind gut, wichtig ist, dass mal eine Laufanalyse macht um den Schuh zu finden der zu einem passt. Danach so laufen, wie es einem Spass macht. Ich bin jetzt 47 Jahre gelaufen, wie ich laufe, da wird es die nächsten 60 Jahre auch noch reichen ;-).

  2. Runner#5: Ich sehe schon, wir beide könnten da jetzt kontrovers diskutieren, aber das sollen lieber unsere Leser mit uns machen. 🙂

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